Via Baltica 2018 / Etappe 3: Johannishof – Lassan

Nun kann ich beweisen dass ich nicht wasserscheu bin

In der Nacht zum 11.07.2018 bin ich Nachts von einem Geräusch erwacht, dass ich so nicht kenne. Nach Überprüfung stellte sich raus, dass es Regen war. Regen der auf das Laub des Efau nieselte, das die Hausseite der Pilgerherberge in Usedom bewuchs. Na toll es nieselt, na ja bis morgen früh ist das bestimmt vorbei.

Äääähm – nee es war nicht vorbei. Im Gegenteil nun pladderte es richtig. So viel, dass wenn man ohne Regenkleidung raus ging innerhalb von 3 – 5 Minuten durchgängig nass gewesen wäre. Naja, nun kann ich beweisen, dass ich nicht wasserscheu bin, toll oder?! Ich musste noch einkaufen um frühstücken zu können und für den Rest des Tages genug zu essen haben. Dabei kam ich an den Bussen vorbei und dachte mir so: „Ich könnte auch bis Johannishof fahren und von dort bis Lassan gehen„. Gesagt getan.

In strömenden Regen aber trotzdem glücklich, dass ich auf dem Jakobsweg bin, machte ich mich an meine heutige Etappe. Es ging durch den Pinower Forst Richtung vorbei an dem namesgebenden Örtchen. Von da führt der Weg weiter durch das Dorf Wangelkow. Leider war hier, wahrscheinlich auch dank des Regens, die Beschilderung für mich nicht zu erkennen und ich bin auf dem Hauptweg geblieben. Dieser führte jedoch nach Süden (Lassan liegt im Norden). Das merkte ich erst als ein Ortsschild mit dem Namen „Klotzow“ vor mir auftauchte. Sch…. hier war ich völlig falsch und musste nun einen riesigen Umweg machen um wieder auf den Weg zu kommen.

Was solls, es nützt ja nix. Nun machte ich erstmal Mittag. Ich fand ein Bushaltestellenhäuschen in dem ich mein Regencape ausziehen und aufhängen konnte. Im sitzen konnte ich trotz des nassen Wetters die Schuhe ausziehen, was meinen Füssen sehr gut tat. Nach ausgiebiger Pause machte ich mich auf den Weg über Jamitzow und Buggenhagen wieder zurück auf die ursprüngliche Streckenführung der Via Baltica. Ab da ging es dann durch eine hügelige Graslandschaft die mich stark an die Prärie in South Dakota erinnerte. Dieser Teil des Weges war für mich einer der schönsten Teile der Via Baltica. Über einen Hügel, dann um eine Kurve vorbei an einem Teich und wieder ein Hügel und plötzlich sah ich in der Ferne den Kirchturm von Lassan. Das war ein wahnsinns Erfolgserlebnis. Ich machte die Becker-Faust und freute mich diebisch.

Es hatte inzwischen aufgehört mit dem Regen und ich ging, beflügelt durch das in Sicht gekommene Ziel, dem Kirchturm entgegen. In Lassan angekommen ging ich als erstes zur Kirche bzw. Pfarramt bzw. Gemeindehaus gegangen um mir meinen Stempel abzuholen. Im Pfarramt sagte man mir, dass zwei Damen in der Kirche sitzen und die hätten den Stempel weil heute Abend ein Konzert in der Kirche stattfinden würde. Ich also zur Kirche – und tatsächlich – da saßen zwei nette Frauen hinter einem Tisch und sahen mich mit großen Augen an. „Oh, ein Pilger“ entlockte mein Aufzug den Beiden. Ich nickte freundlich und bekam meinen Stempel in meinen Pilgerausweis. Hier fühlte ich mich das erste Mal als Pilger wahrgenommen!

In der Kirche bekam ich von den beiden netten Frauen den Tipp in die Ackerbürgerei zu gehen und dort nach einer Unterkunft zu fragen. Dort nahm ich für 29 Euro ein Dachgeschoßzimmer mit eigener Dusche und Frühstück. Ich wusch noch schnell meine Sachen (meine Hosenbeine sahen dank des Regens und des Matsches sehr schlimm aus) und ging dann noch zum EDEKA Markt um die Ecke. Richtig niedlich – ein echter Tante-Emma-Laden wie ich es noch aus den 70er Jahren in Hamburg kannte. Ich duschte schön heiß und begab mich ins Bett, um für neue Abenteuer am nächsten Tag gerüstet zu sein.

Wetter: Regen
Temperatur: 16 Grad
Etappenstrecke: 20,7 km
Etappendauer: 4:55 Stunden
Kategorie: Jakobsweg ·Via Baltica
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