Via Baltica 2018 / Etappe 4: Lassan – Hohendorf

Die Prüfung geht weiter – es regnet immer noch

Richtig gut ausgeschlafen machte ich mich auf eine neue Etappe anzugehen. Heute sollte es von Lassan nach Hohendorf bei Wolgast, gehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischem Obst und gepresstem Saft schulterte ich den Rucksack und dann das Regencape, denn es regnete immer noch.

Nach dem leckeren und stärkendem Frühstück ging es dann in Lassan wieder die Langestrasse bergauf, zurück zu der Kreuzung über die ich schon am Vortag ging. An der Feuerwehrwache vorbei über die Felder und Wiesen Richtung Papendorf. Wieder ein schöner Weg der sich durch die hügelige Landschaft schlängelt. Immer mal wieder bergan oder bergab. Dann geht es durch den Ort Papendorf. Ab da führt der ausgeschilderte Jakobsweg straight-away geradeaus nach Norden auf einer typischen öden DDR Betonpiste. Es handelt sich dabei um zwei Streifen aus zusammengesteckten Betonplatten. Diese liegen dank schwerer landwirtschaftlicher Fahrzeuge nicht mehr hundertprozent eben. Hinzu kommt das man bis ans Ende der „Strasse“ schauen kann. Der Abschnitt ist so häßlich wie langweilig.

Nach gefühlten 20 Kilometern (in Wahrheit waren es bloß 2,5 km) biegt der Jakobsweg links ab. Es geht auf einer total zerklüfteten und löchrigen Asphaltstrasse weiter zum Örtchen Pulow. Das sind auch wieder gefühlte 15 Kilometer (in Wahrheit lediglich 2 km). Furchtbare Wegführung, denke ich bei mir und frage mich wer diese Streckenführung wohl offiziell gemacht hat? Hinter Pulow führt die Via Baltica auf einer breiten Schotterpiste durch einen wunderschönen Wald. Vorbei an einer Hundezucht, deren Hunde, kaum dass sie mich hören oder riechen, lauthals zu bellen beginnen. Da es sich um 15 – 20 Hunde handelte die alle in einem Zwinger hocken, wurde das Gebell bald so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr hätte verstehen können.

Ja toller Weg bisher, entrutscht es mir sarkastisch in Gedanken. Auf wiederlichen Strassen vorbei an 20 Hunden in Einzelhaft – was kommt als nächstes? Kurze Zeit später weiß ich was als nächstes kommt. Der Ort Zemitz mit der viel befahrenen Dorfstrasse und seinen grauen, maroden Plattenbauten – wirklich keine Perle von Mecklenburg. Aber es gibt ein Bushaltestellenhäuschen das mir wieder einmal Schutz vor dem Regen bietet, so dass ich hier meine Mittagspause einlege.

Nach dem ich lange genug meine Füsse lüftete und den Blick auf die wunderschönen Plattenbauten genossen habe, machte ich mich auf den restlichen Weg. Hinter Zemitz ging es durch ein kleines Wäldchen und dann durch das Dorf Seckeritz hinter dem ich erneut die Dorfstrasse überquerte. Ab da ging die Via Baltica  wieder auf einem Sandweg weiter. Das war eine Erholung für meine Füsse. Der Weg führte ab hier wieder durch die Wiese und Auen in der Nähe des Peenestroms. Ich konnte schon die Möwen hören und das Salzwasser riechen. Nach einiger Zeit sah ich dann über den Peenestrom hinweg die Werft von Wolgast und wußte, dass es nun nicht mehr weit sein konnte. Noch an ein oder zwei einsamen Höfen vorbei, durch Poggenkrug hindurch kam ich von Süden nach Hohendorf hinein.

Hier rief ich, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, erst nach erreichen des Zielortes bei Fam. Hartmann an. Die Telefonummer fand ich im Pilgerführer für die Via Baltica von Bernhard Weber. Dieses Buch fand ich zunächst recht teuer, aber es hat sich bezahlt gemacht. Herr Hartmann holtet mich im Dorf ab und fuhr mich zur alten Wassermühle die zu einem Ferienhaus umgebaut war. Ich konnte nicht glauben was ich da sah. Ich hatte Glück und bekam die gesamte Ferienwohnung im Erdgeschoss für mich alleine und das für 20 Euro. Was für ein Luxus! Die Fam. Hartmann hat mit sehr viel guten Geschmack, Fingerspitzengefühl und einer Menge Liebe eine Oaseam Mühlen teich und Bach geschaffen. Inzwischen hatte sich auch das Wetter auf Sonne umgestellt. Es wurde zusehens wärmer und immer schöner.

Da ich noch einkaufen wollte, nahm ich die Bahn von Hohendorf nach Wolgast (eine Station) um dort einen Supermarkt zu finden und mich für den gleichen Abend und den nächsten Tag mit Lebensmitteln und Getränken einzudecken. Ich brachte mir auch ein kaltes Bier mit, dass ich in der schönen Atmosphäre des Hauses gemütlich vor dem Fernseher genoss bevor ich in das zwei Meter breite Bett fiel und einen guten Schlaf hatte.

Wetter: Regen bis 15 Uhr
Temperatur: 17 Grad
Etappenstrecke: 20,6 km
Etappendauer: 5:23 Stunden

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