Via Baltica 2018 / Etappe 8: Tribsees – Sanitz

Diesmal habe ich eine Etappe mehr gemacht

Heute sollte es eigentlich von Tribsees nach Kölzow gehen. Daraus wurde, dank einer Herbergsabsage in Kölzow eine doppelte Etappe bis Sanitz. Am Ende sind dann insgesamt etwa 38,5 Kilometer zusammen gekommen.

Die Unterkunft im Pilgerhus in Tribsees war sehr angenehm und ich habe trotz der alten NVA Klappliege recht gut geschlafen. Wegen des Pilsners am Vorabend hatte ich mir einen Wecker auf 6:00 Uhr gestellt. Die gewaschenen Sachen von der Leine nehmen, alles wieder im Rucksack verstauen, mich waschen und Zähneputzen und anschließend Frühstücken, dass Alles kostet doch so seine Zeit und ich war gegen 7:30 auf dem Jakobsweg Richtung Kölzow, was an dem Tag mein Etappenziel hätte sein sollen. Nachdem ich mich von Michael Brunner verabschiedet hatte, ging es auf auf der Sülzer Chaussee raus aus Tribsees vorbei an der Tankstelle Richtung Kreisverkehr vor der A20

Da die Autobahn 20 (Ostseeautobahn) kurz hinter Tribsees auf gut 1 – 2 Kilometern komplett abgesunken und zusammengebrochen ist muss nun der gesamte Verkehr über eben diesen beschrieben Kreisverkehr und dem Ort Langsdorf und der Landstrasse 19 Richtung Bad Sülze geführt werden. Das sind komplett die ersten 8 Kilometer meiner heutigen Etappe. Na dann mal Prostmahlzeit. Ich kam jedoch auf den gut ausgebauten Wegen recht zügig voran. Aber ich spürte schon in den Morgenstunden das dieser Tag ein heißer Tag werden würde. Kurz nach dem Ort Langsdorf macht die Strasse einen leichten Rechtsknick und führt an einem großen Kieswerk mit Spülbecken vorbei.

1 oder 2 Kilometer weiter geht die Via Baltica rechts ab auf einen landwirtschaftlichen Weg der zwar aus Betonplatten besteht aber die zu dem Zeitpunkt stark befahrene Strasse verlässt. Nach wenigern Hundertmetern biegt der Weg links ab und folgt der Hauptstrasse parallel in die selbe Richtung. Von hier aus kann ich die Kirchturmspitze von Tribsees noch sehen und mir wird folgendes klar: Für die Pilger im Mittelalter müssen die Kirchtürme nicht nur ein Haus Gottes gewesen sein, sondern sie bedeuteten auch Schutz, Geborgenheit und Sicherheit. Ausserhalb der Städte war es gefährlich, wilde Tiere und marodierende Räuberbanden stellten nicht selten eine Gefahr dar. So waren diese Kirchturmspitzen auch auf meinem Weg immer das anvisierte Ziel.

Auf dieser schon erwähnten Betonplattenpiste ging es an Einfamilienhäusern vorbei die schön weit auseinander lagen. Dieser Weg führte wieder mal schnurstraks geradeaus und nach Bad Sülze. Immer näher kam ich dem Ort und konnte schon vom weiten eine Kirche und eine weiße Windmühle erkennen. Kurz vor dem Ort überquerte ich die Recknitz, die so klar war, dass ich die Wasserpflanzen am Boden sehen konnte. Nach dem Genuss, dem plätschern des kühlen Wassers zuzuhören, denn es war um 10:00 Uhr schon 27 Grad warm, ging ich weiter zur Kirche in Bad Sülze. Diese lag komplett eingerahmt von Kastanien im Ortskern und war, wie die meisten Kirchen im Osten, mit Europageldern umfangreich saniert worden. Auf der Mauer der Kirche, im Schatten der Kastanien machte ich eine Pause.

Nach der kleinen Pause folgte ich weiter den Symbolen der Jakobsmuschel aus Bad Sülze hinaus. An einer Baurunine an der Landstrasse überquerte ich diese und es ging einen Feldweg entlang zwischen den Feldern hindurch. Zuerst lief der Weg immer noch im Schatten da links und rechts Bäume oder Büsche standen, später wurde der Bewuchs immer weniger und ich ging immer öfter in der prallen Sonne. Irgendwann ging es durch einen schattigen Wald, dass war sehr angenehm. Der Weg durch den Wald kam der Landstrasse, die schon durch Bad Sülze führte, immer näher, dass konnte ich deutlich hören. Kurz bevor Jakobsweg und Strasse aufeinander trafen, schwenkte die Via Baltica nach Süden Richtung Kölzow, was mein heutiges Etappenziel gewesen wäre. Leider war die Betreiberin der einzigen Pilgerherberge nicht erreichbar und so blieb mir nichts anderes übrig als weiter zu gehen bis Sanitz.

Ab hier ging es erstmal auf Strassen weiter. Das machte den Weg noch anstrengender da der Asphalt die Mittagshitze, es war mittlerweile über 30 Grad, zurück gab wie ein Backofen. Vorteil: Ich kam zügig voran. In Kölzow ging es in einer weiten Kurve einen Hügel hinab und nach einer Kurve ging es rechts ab erneut auf einen Feldweg. Dies war ein festgefahrener Sandweg und damit der optimalste Wanderuntergrund. Dieser Weg führte an Waldrändern vorbei, durch Walstücke hindurch bis nach Stubbendorf. Ab hier ging es nun wieder auf Asphalt weiter. Durch Stubbendorf Richtung Gnewitz, dort rechts ab bis zu einer Kreuzung im Nirgendwo. Ab da ging es links weiter bis zum Ort Barkvieren. Dort war eine Wellblech-Bushaltehütte die mir guten Schatten bot und ich diese für meine ausgiebige Mittagspause nutzte.

Nach meiner ausgiebigen Pause, ich hatte gelernt, dass eine Pause erst dann lange genug war wenn die Socken getrocknet sind, geht es weiter aus Barkvieren hinaus. Kurz darauf hielt ich mich an einer T-Kreuzung links und folgt einer schier endlos wirkenden Strasse nach Stormstorf. Im Ort ging es dann wieder etwas kurviger und auf einen Feldweg der mich über den Reppeliner Bach führte. Nun ging es einen nahezu schattenlosen Feldweg quer durch die Pampa bei rund 33 Grad. Es war so heiß, dass sogar die Kühe Schatten suchten. Später wurde aus dem Feldweg wieder eine aspahltierte Strasse. Am Langer See, wo die Strasse nach rechts verschwindet führt der Jakobsweg gerade aus auf einen Feldweg weiter. Nun war schon die im Pilgerführer beschriebene Großwindanlage in der Ferne zu sehen.

Puuh, dann kann es nicht mehr weit sein. Es ging nur noch geradeaus und nur noch bergauf. Als ich an dem Windrad ankam stellte ich fest das die Via Baltica links weg ging Richtung Oberhof, ich wollte jedoch wegen Wassermangel in die andere Richtung. Denn der ursprüngliche Weg führt zur Kirche, ich brauchte jedoch dringend etwas zu trinken da mir mein Wasser schon vor 5 – 6 Kilometern ausging. Ich hatte eine Ausschilderung gesehen die besagte, dass in die andere Richtung ein NETTO-Markt sein soll. Da wollte ich hin! Auf dem Weg dahin kam ich an einem Dönerladen vorbei und sah durch das Schaufenster einen großen Kühlschrank stehen. Ohne lange zu überlegen bin ich da rein und hatte mir zwei eiskalte Dosen Sprite gekauft. Die erste habe ich gleich vor geleert, die andere nahm ich mit.

Trotz kalter Sprite wollte ich noch mhr zu trinken haben und verfolgte meinen Plan, zum Netto zu gehen, weiter. Dort hatte ich mir eine 2Liter Flasche Eistee und etwas zu essen mit genommen. Dann habe ich das Pfarramt und die Kirche gesucht. Sanitz ist so verbaut, dass ich bestimmt nochmal 2 Kilometer latschen musste bis ich dann endlich dort an kam. Der Pastor war sehr nett und zeigte mir wo ich nächtigen konnte. Im Kinderhort des Gemeindehauses, welches ich über Nacht komplett für mich hatte. Allerdings war an dem Abend der Posaunenchor zur Probe im Gemeindehaus, so lange würde ich wohl warten müssen. Ich wartete bis 21:00 Uhr bis alle sich verabschiedeten und ging dann duschen und meine Füsse pflegen. Diese waren heute sehr in Anspruch genommen worden und schmerzten. Später schlief ich den tiefen Schlaf des Pilgers.

Etappenstrecke: 38,5 km
Etappendauer: 7:55 Stunden

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