Welche Ausrüstung zum pilgern oder wandern

Mit welcher Ausrüstung gehe ich wandern bzw. pilgern?

Kaum ein Wandereinsteiger oder Neupilger ist sich trotz diverser Informationen im Internet sicher was er denn nun wirklich braucht zum pilgern oder wandern. Welche Schuhe, welcher Rucksack, Poncho oder Regenjacke, Wanderstöcke versus Pilgerstab. Ich möchte hier mal ein wenig aus den von mir in 5000 gewanderten Kilometern gemachten Erfahrungen plaudern und dir die ultimativen Tipps zur Ausrüstung geben.

Möglicherweise ist einiges von dem für dich schon selbstverständlich. Anderes ist Dir vielleicht noch neu, Hauptsache Inspiration! Ich freue mich auf Deinen Kommentar.


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Doch nun, lass uns starten mit dem sinnvollem Equipment:

Die wichtigste Ausrüstung die jeder Pilger dabei haben sollte

1. Schuhe

Ich habe mit Absicht Schuhe geschrieben! Denn für die Wahl des für Dich richtigen Schuhs kann Dir niemand einen ultimativen Rat geben. Das musst Du etweder aus schon lebenslang gemachter Erfahrung oder nach dem Austesten entscheiden. Ausschlaggebend ist doch wo du wandern wirst. Willst Du den PCT hiken, den E5 über die Alpen wandern oder den Jakobsweg pilgern? Es kommt auch ein bisschen auf die Jahreszeit der Wanderung an: Im Winter würde ich einen höheren Schuh bevorzugen, im Sommer einen leichten flachen Schuh. Dann kommt es noch auf das überwiegende Terrain des Wanderwegs an: Eine Überquerung der Alpen würde ich nicht in Sandalen oder Halbschuhen machen und den Camino Frances würde ich nicht im Sommer mit Wanderstiefeln gehen. Letztendlich ist es aber noch wichtiger wie DEIN Fuss geformt ist und welcher Schuh haargenau an DEINEN Fuss passt. Immer wieder höre ich der Wanderschuh sollte eine bis zwei Größen größer gekauft werden weil der Fuss sich ausbreitet beim wandern. Das ist richtig, aber 1. bei jedem Menschen unterschiedlich stark und 2. fallen die Schuhe je nach Hersteller auch unterschiedlich groß aus. Es ist also ein MUSS den richtigen Schuh anprobiert zu haben. Wenn Du mit Wandersocken in den Schuh schlüpfst und sofort das Gefühl hast keinen Schuh anzuhaben, hast Du den richtigen Schuh gefunden. Jetzt noch vor der Wanderung den Schuh mindestens 100 km einlaufen und alles ist geritzt.

2. Strümpfe

Beim vorangegangenen Punkt der Schuhe sind die Strümpfe schon erwähnt worden. Ja sie spielen eine wichtige Rolle um blasenfrei wandern zu können. Da gibt es zum einen die Merinowollsocken.Diese sind feuchtigkeitsabführend, leicht und man bekommt nicht so schnell stinkige Füsse. Ausserdem trocknen sie schnell nach dem waschen. Dann gibt es da die fussgerecht geformten Socken aus einem Woll- und Synthetikgemisch. Diese Socken haben keinerlei Nähte und sind ergonomisch an die Füsse angepasst und es gibt einen linken und einen rechten Socken. Und dann gibt es da die Socken die gleich ein Zweischicht-System beinhalten. Die Idee dabei ist, dass die beiden Stoffschichten aneinander reiben sollen, statt dem Stoff auf auf der Haut:
Wichtiger Punkt den man zu den Socken wissen sollte: Sie sind wie eine Art Verpackungsmaterial für unsere Füsse in den Schuhen. Sie sollen gleichmäßig den Fuss umgeben und damit Druckstellen ausgleichen. Als nächstes sind sie ebenfalls eine Dämpfung. Jeder Schritt lässt den Körper erbeben, der Strumpf macht dies ertragbarer.

Meine Meinung zur Auswahl der richtigen Socke: Ein Zweistoff-System ist zwar funktionabel aber auch sehr warm. Für mich im Sommer untragbar. Merinosocken sind von wirklich guter Qualität (meistens) und fühlen sich auch gut an, sind aber zu dünn um die Dämpfungsaufgaben übernehmen zu können. Meine Wahl ist eindeutig die Passform genaue Socke ohne Nähte. Der Materialmix vereint die positiven Eigenschaften der Materialien. Dämpfung und schnelle Trocknung. Ich persönlich bevorzuge die Falken TK 5 Ultra Light*.

3. Rucksack

Der Rucksack ist genauso ein Problemkind wie die Schuhe. Es gibt nicht DEN perfekten Rucksack. Auch hier kommt es wieder darauf an: Wo du gehst und wann du gehst. Als Beispiel: Auf einem der europäischen Fernwanderwege gibt es keine Pilgerherbergen in denen man übernachten kann. Das bedeutet, dass man ein Zelt, eine Isomatte und mindestens einen Kocher zusätzlich mitnehmen muss. So kann man sich leicht vorstellen, dass ein Rucksack für einen europ. Fernwanderweg größer sein sollte als für den Hexensteig oder den Jakobsweg.  Wer beispielsweise in Nepal, über die Alpen oder den PCT wandern möchte sollte bedenken das er auch im Sommer Schnee haben kann. Also ist noch Merino Funktionswäsche mit zunehmen. Aber dazu später.

Wenn man so groß ist wie ich (1,98cm) sollte der Rucksack auch länger sein sonst kann der Hüft gurt nicht auf den Hüftknochen aufliegen und damit zerren dann die Schultergurte ganz heftig auf den Schultern und den Schlüsselbeinen. Ein guter Rucksack hat ein Verstellmechanismus am Gurtsystem an dem man die Größe einstellen kann. Also dringender Tipp von mir: Unbedingt den Rucksack in einem Fachgeschäft die beladenen Rucksäcke ausprobieren. Bei Globetrotter in Hamburg sind die Rucksäcke mit 11 Kilo bepackt. Das läßt ein authentisches Gefühl für den Rucksack zu. Also als erstes im achgeschäft zu den Rucksäcken und das Auswahlprodukt aufsetzen und weiter in den Fachgeschäft mit Rucksack auf dem Rücken einkaufen. Wenn man den Rucksack wenigstens zehn Minuten auf hatte kann man schon mal sagen ob es geht oder garnicht.
Auf diese Weise fand ich meinen Deuter Aircontact lite 40+10* mit dem ich höchst zufrieden bin.

4. Schlafsack

Ein guter Schlafsack sollte bei jeder Wanderung die über wenigstens zwei Tage geht, dabei sein. Hier kann man den Rat von anderen Menschen gerne annehmen, wenn die damit schon Erfahrung machen konnten. Aber auch hier wieder: Vorsicht! Wofür wollen sie den Schlafsack verwenden? Hochalpin benötigt eine deutlich niedrigere Komforttemperatur als die Meseta in Spanien. Dann ist da noch die schwierige Entscheidung zwischen Daunenfederfüllung oder Kunstfaserfüllung. Manche behaupten ja das die Entscheidung für ein Material eine Glaubensfrage sei. Das stimmt so aber nicht.

Vorteile einer Kunstfaserfüllung sind der niedrigere Preis und die Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit.
Nachteile hingegen sind das höhere Packvolumen, das höhere Gewicht und der schlechtere Komforttemperatur.

Vorteile der Daunenfüllung sind hingegen der bessere Komforttemperatur, niedrigeres Gewicht und kleineres Packvolumen.
Nachteile des dauenengefüllten Schalfsacks sind die Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und der höhere Preis.

Wie du siehst hängt die Entscheidung zum Schlafsack auch wieder ganz stark von dem Einsatzgebiet ab. Es gibt ja Menschen die sich dann sagen sie fahren mit dem „Allrounder“ am besten. Lass dir von mir gesagt sein, „Allrounder“ haben nur einen Vorteil, sie können nichts richtig gut!
Ich habe mich für den YETI ViB 250 in Large* entschieden. Er hat eine Komforttemperatur von 9 Grad und ein Gewicht von 630 Gramm.

5. Isomatte

Man soll es kaum für möglich halten aber mit der Isomatte ist es wie mit den voran gegangenen Gegenständen der Ausrüstung, es kommt auf das Einsatzggebiet an. Auf dem Camino Frances wird man kaum eine Isomatte benötigen, wenn man dort in Hotels nächtigt benötigt man nicht mal einen Schlafsack. Auf allen anderen Wanderwegen würde ich eine Isomatte dringend empfehlen. Wenn man mit dem Zelt unterwegs ist ist eine Isomatte sogar ein „must-have„. Ich habe mich für eine leichte aufpumpbare Isomatte entschieden. Ich hatte vorher eine faltbare Polyethylen Matte, habe dann aber aus Komfort- und Gewichtsgründen auf eine Luftgefüllte Isomatte umgerüstet. Die faltbare Isomatte ist mit einer Stärke von 2 Zentimetern nicht besonders komfortabel.

Deshalb habe ich mich für die Therm-a-Rest NEOAIR XLITE* entschieden. Der Packbeutel dieser Isomatte ist gleichzeitig der Pumpbeutel zum aufblasen der Matte. Mit 340 Gramm ist sie fast 100 Gramm leichter als meine erste Matte, die aufgrund der Größe aussen am Rucksack befestigt werden musste. Der Liegekomfort ist bei einer Stärke vom 6,4 Zenntimetern auch deutllich höher.

6. Trekkinghose

Meine erste Wanderung habe ich mit einer Cargohose von Engel Strauss gemacht. Nicht falsch verstehen die Hose ist klasse – aber nicht geeignet zum Wandern. Sie ist zu dick, zu schwer und trocknet viel zu langsam. Eine spezielle Trekkinghose hat die Vorteile, dass sie eben diese Eigenschaften aufweist. Meine Trekkinghose wiegt nur 380 Gramm im Gegensatz zu den 994 Gramm der erwähnten Arbeitshose. Das ist fast ein Drittel! Ausserdem ist der Stoff sehr viel dünner und damit angenehmer auf der Haut. Weiterhin kann ich positiv berichten, dass beim schwitzen der Stoff nicht so sehr an den Beinen kleben bleibt wie Baumwollstoff. Und „last but not least“ ist eine Trekkinghose nach dem Waschen oder nach einem Regenschauer in Null Komma nichts wieder trocken.

Meine Auswahl fiel auf die Trekkinghose McKinley Malik Dry Plus Eco* in schwarz. Natürlich gibt es auch diverse andere Modelle – über die kann ich allerdings nichts sagen.

7. Trekkinghemd

Mit den Oberteilen verhält es sich sehr ähnlich wie mit der Hose. Ich bin als erstes mit normalen T-Shirts gewandert und stellte schnell fest, dass das nicht empfehlenswert ist. Durch den Rucksack und die Bewegung die ich hatte war das Shirt ruckzuck klatschnass. Die dann im Discounter schnell erworbenen Sportshirts waren zwar sehr angenehm zu tragen weil sie sehr leicht und dünn waren, aber ich fing darin an zu stinken wie ein Ziegenstall. Dann kam ich durch Tipps von Wanderfreunden auf die Idee mal ein Trekkinghemd zu probieren. Das war etwas ganz anderes. Ich kann nicht sagen warum, denn auch das Hemd war aus Poly-Fasern hergestellt aber es trug sich ganz leicht und luftig. Das war für mich die Lösung bei warmen bis heißen Wetter.

Meine Wahl fiel auf das Trekkinghemd Maul Gmund 1/2 Arm* in blau/schwarz. Auch hier gibt es natürlich andere Modelle und Hersteller. Ich kann aber nur über die von mir getragenen Dinge Erfahrungen weitergeben.

8. Funktionswäsche

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Funktionswäsche die ich am Anfang meiner „Wanderkarriere“ völlig ausser Acht gelassen habe. Erst wenn man irgendwann mal nicht im Sommer wandert oder eine alpine Wanderung macht, stellt man fest das die Trekkinghose ganz schön dünn ist. Das ist der Moment an dem man sich mit Funktonswäsche beschäftigt. Es handelt sich dabei um eine Art Langeunterwäsche aus Merinowolle. Ja, ich schreibe direkt das die aus Merinowolle besteht weil du keine Funktionswäsche aus Kunst- oder Wollfasern direkt auf deiner Haut tragen möchtest. Merinowolle hat die Vorteile der guten Belüftung, Feuchtigkeitsabtransport und schnelle Trocknung. Hinzu kommt das sie sehr angenehm zu tragen ist da sie schön weich ist.

Meine Entscheidung fiel unten herum auf die Odlo Suw Bottom Pant* und als Oberteil entschied ich mich für Icebreaker Oasis Crewe Langarm* und habe es bis heute nicht ein einziges Mal bereut – im Gegenteil ich liebe diese Teile!

9. Wasserflasche

Wasser sollte man auf jeder Wanderung immer genug dabei haben. Es gibt sogar Gegenden in Europa in denen es schnell zur Dehydrierung kommen kann wenn man nicht ausreichend trinkt. Selbst auf dem von mir bewanderten Europa Fernwanderwege E6 durch Deutschland war im heißen Sommer 2019 die Wasserversorgung extrem wichtig. Also muss auch eine vernünftige Wasserflasche her. Es gibt ja moderne Trinkblasen mit Schlauch die ich persönlich aber unpraktisch finde weil ich keine Lust habe diese Trinkblase regelmäßig zu reinigen. Ich benutze zwei PET-Flaschen mit einem Volumen von je 1,25 Liter und einem Schlauchsystem welches auf die Gewinde dieser Flaschen und vieler weiterer passt.

Aus dem Grund habe ich mich für das Source Convertube Snep Trinkschlauchsystem entschieden. Sollte eine Flasche kaputt gehen, kostet mich eine neue mit Inhalt lediglich einen Euro.

10. Kopfbedeckung

Bei Kopfbedeckung werden viele Leser vielleicht verständnislos mit dem Kopf schütteln und nicht verstehen warum ich diese mit in der Liste habe. Aber lasst Euch gesagt sein, wer einmal durch die Prärie in Montana oder South Dakota marschiert ist, durch die Meseta oder Extremadura in Spanien pilgerte der weiß wie sinnvoll eine Kopfbedeckung sein kann. Ohne diese bekommt man nämlich in besagten Gegenden einen Sonnenstich und den will niemand haben.

Also sind wir schon mal einig – eine Kopfbedeckung ist nicht verkehrt. Ich trug auf meinem Jakobsweg Via Baltica eine schwarze Basecap. Das sah zwar cool aus war aber nicht cool. Schwarz ist natürlich ein Wärmemagnet und ein Basecap ist nicht gut genug belüftet. Ein Strohhut wäre eigentlich am optimalsten. Der ist hell, leicht und perfekt durchlüftet. Fliegt jedoch beim ersten Windstoß weg. Ich halte einen Trekkinghut aus einen leichten Material mit Mesh bzw. Netzgitter am Kopf für am geeignesten.

Ich habe mich aus den gemachten und schon beschriebenen Erfahrungen für den Trekkinghut TraVellerS* entschieden.

10. Regenschutz

Zum Abschluss kommt weider so ein Thema bei dem sich die Geister scheiden: Der Regenschutz. Der eine steht total auf Regenjacke und Hose, der nächste behauptet es gäbe nichts besseres als einen Regenponcho und der Dritte schwört auf den Trekkingschirm. Nun was nun der ultimative Regenschutz ist lässt sich mal wieder nicht so einfach in den Raum stellen da es wieder einmal von mehreren Faktoren abhängt. (Anmerkung: Wer behauptet, dass der von ihm bevorzugte Regenschutz in allen gleich beschriebenen Situationen der Beste ist hat einfach keine Ahnung)<7p>

Ich werde hier der einfachheithalber die Vor- und Nachteile der einzelnen Regenschutze darstellen

 

Regenschutz Vorteil Nachteil Bemerkung
Poncho Leicht
Rucksack auch geschützt
unteren Beine werden nass
Regenjacke Schutz auch an den Beinen schwer und warm
benötigt Regenschutz für Rucksack
Wasser läuft zwischen Rücken und Rucksack
der von dort durchnässen kann
Regenschirm leicht
auch Sonnenschirm
Fliegt weg bei Sturm
ab Rumpf wird man nass

Ich habe mich für eine doppel Lösung entschieden. Bei starkem Dauerregen nehme ich den Regenponcho Tatonka Regenschutz Cape* , wenn es nur kurze Schauer gibt nehme ich die Regenjacke von The Northface Quest*. Eine Regenhose oder einen Trekkingschirm benutze ich gar nicht.

Das sind also die „Big Ten“ aus meiner Sicht. Wenn dir noch etwas einfällt was ich hier vergessen habe, darfst du gerne eine Email an mich schicken.