Woran erkennt man einen deutschen Pilger?

Kann man da eigentlich Unterscheidungen machen?

Jede Nationalität hat so ihre typischen Eigenarten. Der Italiener spricht mit den Händen genauso viel wie mit dem Mund, Japaner laufen dauernd mit Fotoapparat vor dem Gesicht herum und wir Deutschen haben auch so unsere Macken…

In diesem Beitrag möchte ich uns Deutschen auf heitere Art mal ein wenig den Spiegel vorhalten. ACHTUNG es könnte Sarkastisch werden!

Also als erstes fällt mir da immer die Sprache auf. Egal wo man ist als Deutscher, hört man immer sofort das Deutsch aus allen anderen Sprachen heraus. Aber die Sprache ist bei weitem nicht das einzige Merkmal an dem man uns Deutsche eindeutig erkennt.

Die Deutschen Pilger fallen besonders auch wegen ihrer farbenfrohen Ausrüstung auf. Da paaren sich beigefarbene Trekkinghemden mit kakhifarbenen Outdoor-Westen oder Cargohosen. Das ganze mutig kombiniert mit dem grauen Rucksack und dem sandfarbenen Hut. Oder sagen wir lieber Kopfbedeckung, denn das was die Designer der aktuell angesagtesten Outdoorausrüster als Kopfbedeckung vom Stapel lassen, kann man kaum als Hut bezeichnen. Es ist eher ein Gebilde aus Nylon, Gaze und Wabenmuster mit Kinnband. Die Deutschen sind da gerne das Fashionvictim – aber bitte in Sandfarbe.

Also wenn man auf dem Jakobsweg einen Pilger trifft der einen Deuter Rucksack, Lowa Wanderstiefel und einen kleinen gelben Pilgerführer bei sich trägt, kannst Du zu 99,9% sagen, dass es sich um einen Deutschen handelt. Es ist jedoch auch möglich das ein typisch deutscher Pilger einen Rucksack von Osprey, Wanderstiefel von Meindl und einen kleinen roten Pilgerführer trägt. Um dieses Klischee noch zu erweitern, sollte man sich klar sein das natürlich auch Kombinationen aus beiden Beispielen möglich sind. Sollte eine Kombination aus diesen Beispielen von einem Pilger einer anderen Nationalität getragen werden, muss dieser eindeutig verwirrt sein.

Natürlich gelten wir bei unseren europäischen Freunden auch als besonders hart im nehmen. So geht man davon aus, dass wenn das Warmwasser ausgefallen ist, wir trotzdem duschen. Wir sind das noch vom 2. Weltkrieg so gewohnt. Was uns nicht tötet härtet ab. Auch hat man keinerlei Verständnis dafür wenn ein Deutscher die Pilgerschaft abbricht. Schon garnicht aus gesundheitlichen Gründen! Wir müssen gefälligst durchhalten, dass wird von uns erwartet. Also beiß Dich durch – egal was da kommen mag.

Woran kann man den deutschen Pilger noch erkennen? Na ganz klar! Er latscht schon so früh morgens los, dass er eine Stirnlampe benötigt um sich nicht die Greten zu brechen. Das hat dann den Vorteil, dass er mit einer der Ersten ist der sich ein Bett „reservieren“ kann. Im Urlaub auf Mallorca hat er schon ordentlich mit dem Handtuch auf den Sonnenliegen geübt um hier auf dem Jakobsweg mit einem selbstsicheren Schwung seinen Rucksack auf das erstbeste Bett zu werfen. Mit dem erhabenen Gefühl eines Kolonialisten an der Westküste Afrikas schwellt ihm nun die Brust. Die selbe Art und Weise legt er auch bei der Essenausgabe oder in anderen Schlangen zu Tage. Hoppla jetzt komm ich….

Er ist auch in jeder geselligen Runde ein gern gesehener Gast weil er so eloquent und Fremdsprachen orientiert aus allen Facetten des Leben zu berichten weiß. Seine Erläuterungen klingen auch nie besserwisserisch, von Oben herab oder Arrogant, nein, dass sind eher die anderen die ihn im Redefluss unterbrechen. Er bestellt auch bewusst zurückhalten immer:“Una Cerveza Grande, por favor.“ Obwohl er aus Erfahrung hätte gelernt haben müssen das die Hälfte des großen Bieres in der Hitze schal wird. Aber als bescheidener Deutscher zeigt man, dass man es sich leisten kann den Rest zurück gehen zu lassen.

Wenn Euch also auf Eurer Pilgerfahrt so ein kauziges Wesen mit Deuter Rucksack, sand- und kakhifarbenen Klamotten, gelbem Wanderbuch, riesigen und schweren Wanderbotten und lustiger Kopfbedeckung begegnet, geht ihm aus dem Weg bevor er den Mund aufmacht.

Buen Camino

Kategorie: Jakobsweg ·Packliste
2 Kommentare zu „Woran erkennt man einen deutschen Pilger?“
  • Niko Maiberger sagt:

    Das ein oder andere an der Beschreibung eines typisch deutschen Pilgers kann ich nachvollziehen. Es gibt da aber auch noch den deutschen Pilger, dem unterwegs, inspiriert vom Camino, ein Text und eine Melodie einfallen und die er dann zuhause aufbereitet und in Form bringt:

    https://www.youtube.com/watch?v=3pRAqHngA5A

    • JULahann sagt:

      Hallo Niko,
      ich bleibe mal in der Satiresprache um dir zu antworten:
      Da muss sich der deutsche Pilger mit der Inspiration aber die Frage gefallen lassen wie es sein kann, dass seine Inspiration die englische statt der deutschen Sprache spricht.

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